Umwelt ist nie neutral. Sie wirkt immer aktiv auf das Nervensystem des Hundes: Geräusche, Gerüche, Lichtverhältnisse, räumliche Enge oder Weite sowie die Präsenz von Menschen oder Tieren beeinflussen, wie viel Sortierarbeit der Hund leisten muss.
Hohe Reizdichte bedeutet: Das System verarbeitet gleichzeitig viele Informationskanäle. Enge Räume reduzieren Distanzoptionen, wodurch kleine Bewegungen oder Spannungswechsel stärker ins Gewicht fallen. Unbekannte Orte erfordern zunächst eine Analyse, bevor echte Entspannung möglich ist.
Die gleiche Situation kann an verschiedenen Tagen unterschiedlich wirken. Müdigkeit, Stress, gesundheitliche Faktoren oder vorherige Belastung verändern die innere Kapazität des Hundes. Schwankendes Verhalten ist deshalb normal und kein Hinweis auf mangelnde Kontrolle.
Je dichter die Reize, desto mehr Arbeit leistet das Nervensystem. Stabilität hängt nie nur vom Verhalten ab, sondern von den Bedingungen.
Weniger Ausweichmöglichkeiten führen zu stärkerem Fokus auf Mikrodetails und intensiverer Reizbewertung.
Selbst ein regulierter Hund reagiert je nach Tagesform unterschiedlich. Schwankungen sind biologische Realität.
🔹 Beispiel: „Ein Hund bellt ununterbrochen am Gartenzaun. Nicht, weil er ‘dominieren’ will, sondern weil der offene Sichtkontakt zu Straße, Menschen, Hunden ihn dauerhaft in Alarmbereitschaft hält – es fehlen Reizpuffer.“