Der physiologische Zustand eines Hundes wirkt unmittelbar auf seine Wahrnehmung. Ernährung, Wasserhaushalt, Stoffwechsel, Schmerz, Hautsensibilität, Temperatur und hormonelle Faktoren beeinflussen Reaktionsgeschwindigkeit, Grundspannung, Erholungsfähigkeit und Fokus.
Pflege- und Untersuchungssituationen sind für Hunde keine technischen Abläufe, sondern sensorische Ereignisse. Der Hund bewertet Nähe, Druck, Temperatur, Körperwinkel und Gerüche. Je klarer und vorhersagbarer der Ablauf ist, desto leichter kann das Nervensystem die Situation einordnen.
Länger anhaltende Missachtung körperlicher Bedürfnisse zeigt sich selten sofort, sondern früh in feinen Mustern: veränderte Atmung, stockender Bewegungsfluss, reduzierter Blickfokus oder geringere Belastbarkeit. Diese frühen Hinweise beschreiben einen Organismus, der versucht, Stabilität aufrechtzuerhalten, während Kapazität sinkt.
Physiologie beeinflusst Sortiergeschwindigkeit, Aktivierung und Regulation. Stabilität entsteht nicht isoliert im Verhalten.
Jede Untersuchung oder Pflegehandlung erzeugt Reizintensität. Ein klarer, ruhiger Ablauf entlastet das Nervensystem und erleichtert Einordnung.
Bevor Verhalten sich sichtbar verändert, zeigen sich mikrobiologische Hinweise auf Überlastung oder Unwohlsein.
🔹 Beispiel: „Ein Hund reagiert plötzlich aggressiv beim Bürsten. Beim Tierarzt stellt sich heraus: Verspannungen im Rückenbereich. Das Verhalten war keine ‘Unart’, sondern Schmerzreaktion.“