Distanz ist eines der wichtigsten Mittel, mit dem Hunde innere Spannung regulieren. Bögen laufen, Tempo reduzieren, Position verändern, Abstand vergrößern oder verkleinern – all diese Muster dienen nicht primär der Kommunikation, sondern der Selbstorganisation des Nervensystems.
Distanzvergrößerung bedeutet Sortierzeit: Der Hund schafft Raum, um Reize einzuordnen. Distanzverkleinerung kann soziale Orientierung, Interesse oder das Verarbeiten von Umweltinformationen anzeigen.
Enge Räume erschweren Regulation. Fehlende Ausweichoptionen erhöhen die Bedeutung kleinster Bewegungen, Mikrospannungen und Blickwechsel. Der Hund muss mehr interpretieren, um die Situation stabil zu halten.
Distanzverhalten ist kein Zeichen von Unsicherheit oder Dominanz, sondern ein biologisches Instrument zur Spannungsregulation.
Abstand schafft Raum für Orientierung, nicht für Rückzug. Es ist ein aktiver stabilisierender Mechanismus.
Fehlen Distanzen, steigt Sortieraufwand. Kleine Signale wirken stärker, und Regulation wird anspruchsvoller.
Der Hund bleibt nicht „aus Respekt“ nah, sondern weil Nähe in diesem Moment seine Regulation unterstützt – oder sie erschwert, je nach innerem Zustand.
Beispiel: „Ein Hund zieht sich in eine ruhige Ecke zurück, wenn Gäste kommen. Wird er dort gestört (weil er vom Besuch gestreichelt oder begrüßt werden möchte), verliert er seine Möglichkeit zur Selbstregulation – das kann zu problematischem Verhalten führen.“